Mediterran beeinflußt
Darüber hinaus züchtete man mit großem
Erfolg überall im Lande eigene Pflanzen. Bald wuchsen innerhalb der Kloster- und
Burgmauern heimische Arten ganz verträglich neben Importen aus den Mittelmeerländern.
Selbstversorger waren auch die Bürger in den Städten. In ihren Gärten gab es nach wie
vor Obst, Gemüse und Kräuter - häufig jedoch getrennt vom Ziergarten. Zwar stand in den
bäuerlichen Anlagen immer noch der Nutzen im Vordergrund. Aber warum ihn nicht schön
garnieren? Es war der Anfang jener "verzierten Nutzgärten", die noch heute
faszinieren.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) brachte
das Zeitalter des Barock, einer vom Repräsentationswillen der Herrscher geprägten Zeit,
auch der Gartenkultur neue Impulse. Bei Ludwig XIV. werden selbst Gärten zum Ausdruck der
eigenen Machtfülle. Um die Achsen der Schlösser im Umfeld zu verankern, wird die Natur
einem Reglement unterworfen. Warum sollte man nicht auch kleine Hecken um die Beete
pflanzen, fragt sich daraufhin die Landbevölkerung. Warum die geometrischen Formen nicht
einfach übernehmen, Buchsbaumkugeln und Eibenpyramiden als Statussymbol gut sichtbar in
den Garten setzen? In zeitlichem Abstand tauchen buchsgefaßte Beete, das Rondell und die
aus der Mode gekommenen Blumen der barocken Anlagen auch im Bauerngarten auf, der damit
seine Form gefunden hat.
Seit immer mehr Städter in die ländilche Umgebung ziehen und der
Bauerngarten zum Symbol dieser Bewegung wird, gibt es keine scharfe Trennung mehr zwischen
Stadt und Land. Und seit der grünen
Gegenbewegung Anfang der 80er Jahre spielt auch die Sehnsucht nach einem anderen Leben
eine große Rolle bei der Gartenkultur: Erinnerungen an unbeschwerte
Kindheitstage werden wach. Man entdeckt die Natur und das Natürliche neu, erkennt endlich
für das Leben wichtige ökologische Zusammenhänge.
Da die meisten Pflanzen aus wärmeren Regionen stammen und viel Sonne brauchen, ist der
beste Standort für einen Bauerngarten die Südseite. Viele der Küchenkräuter und
Gemüsearten sind ohnehin Sonnenanbeter, etwa Tomaten und Porree. Ähnliche Ansprüche
haben Blumen und Stauden, Sträucher und Bäume, die, wie ein Bauerngarten generell, nicht
gerade pflegeleicht sind.
Daher ist der Naturfreund
mit 100 m2 bestens ausgelastet. So unterschiedlich die Kulturen in den verschiedenen
Regionen Deutschlands auch sein mögen - die klassischen Bauerngärten haben überall
dieselben charakteristischen Merkmale: Sie sind rechteckig oder quadratisch und von einem
Zaun umgeben.
Streng gegliedert, mit einem Rondell in der Mitte, liegen sie meistens in der Nähe des
Hauses. Das Rondell traditioneller Anlagen ist ein Wegkreuz oder mit Blumen bepflanzt;
früher war im Mittelpunkt häufig der Brunnen.
Pflanzenbändiger
Den Eingang zum Bauerngarten schmückt
oft ein Rosenbogen, Auch für Wege und Zäune wird weitgehend natürliches Material
verwendet - vor allem Holz und Stein. So eignet sich zwischen den Beeten zum Beispiel eine
dicke Schicht aus Rindenmulch, ein weicher und leicht federnder Belag. Auch mit feinem
Kies können die Wege trittfest gemacht werden. In größeren Anlagen pflastern
Gartenliehhaber die Wege mit Tonziegeln. Früher mußte man das Gemüse mit Holzzäunen
vor gefräßigem Federvieh und anderen Haustieren, aber auch vor dem Wild schützen. Und
noch heute schützen die Einfriedungen vor kleinen und großen "Gemüsedieben".
Schöne, meist aus Weidenruten geflochtene Zäune sind leider
selten geworden.
Dafür werden Holzzäune in allen
Variationen und solche aus Schmiedeeisen angeboten, die mit ihren verspielten Schnörkeln,
am besten blütenreich umrankt, den nostalgischen Charme eines Bauerngartens
unterstreichen. Von allen Beeteinfassungen ist die geschnittene Buchsbaumhecke die
schönste. Überhaupt passen lebende Umrandungen am besten zu einem Bauerngarten. Sie
bändigen nicht nur die Pflanzenfülle, sondern verhindern auch, daß der Regen die Erde
von den Beeten auf die Wege schwemmt. Alternativen zu Buchsbaum
sind Lavendelhecken mit ihren dufttenden Blüten. Ansonsten eignen
sich alle niedrigen Blumen, die möglichst lange blühen. Ori-
ginell, zum Beispiel als Einfassung des Rondells, sind auch verschiedenfarbige
Salatköpfe. Am besten läßt sich der blühende
Garten dann von einer Holzbank im Stile alter englischer Gartenmöbel genießen. Aber auch
eine Laube gibt dem sonnigsten Platz im Garten Intimität und
Gemütlichkeit.
|