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An die zehntausend Muschelarten bevölkern heute noch unseren Planeten. Sie
kommen sowohl im Salzwasser, Brackwasser als auch Süßwasser vor, von der
Arktis und Antarktis bis in die Tropen. In Farbe, Form und Beschaffenheit
sind die aus zwei kalkigen Schalen bestehenden Gehäuse der einzelnen Arten
sehr unterschiedlich. Weiße und stachlige existieren ebenso wie längliche,
schwarze oder glatte Schalen. Der Mensch nutzt Muscheln seit Jahrtausenden
als Nahrungsmittel, auch fertigt er daraus Schmuck und Souvenirs.
Die Berliner Künstlerin Bettina
Follenius entdeckte die Muschel als faszinierendes Material für ihre
ausdrucksstarken Bilder. Schon als Kind liebte sie das Meer und seine
mannigfachen Bewohner, ließ ihre Fantasie auf langen Strandspaziergängen
von den gestrandeten Schalen der unzähligen Muscheln inspirieren. Und das
hat sich bis heute nicht geändert. Noch immer sammelt sie mit Begeisterung
Muschelschalen, denn seit nunmehr zwölf Jahren entstehen aus diesen
archaischen Fundstücken faszinierende Mosaikbilder. „Jede Muschel ist
einzigartig in ihrer Färbung und Form, jede ist ein Kunstwerk für sich.
Nicht alle sammele ich selbst, kleine Schneckenhäuser zum Beispiel kaufe
ich im Laden und viele Muscheln bekomme ich auch geschenkt“, erzählt die
Berlinerin. Von ihrem Atelier in einer Schöneberger Dachwohnung blickt sie
über die Dächer der Hauptstadt und direkt in den Himmel. Eine Atmosphäre,
die sie vom Alltag loslassen lässt und die Enge der Großstadt vertreibt.
Die studierte Germanistin und ausgebildete Atemtherapeutin, die 13 Jahre
als Ausbildungsleiterin am Ilse-Middendorf-Institut in Berlin tätig war,
beschäftigt sich seit den 70er Jahren aktiv mit Kunst. Was mit Kollagen,
Malerei und Objekten begann, entwickelte sich mit der „Entdeckung der
Muschel“ in 1998 zu einem eigenständigen Stil. „Alles begann damit, dass
ich einen langweiligen Spiegelrahmen etwas verschönern wollte. Ich hatte
von einem Ostseeurlaub einen Eimer Muscheln mitgebracht und begann den
Rahmen damit zu schmücken“, berichtet Bettina Follenius, die sich vor
einem Jahr als freischaffende Künstlerin selbständig gemacht hat – ein
lang gehegter Traum. Was als Hobby begann, wurde mit den Jahren zur
Passion.
Die Künstlerin bevorzugt für ihre Arbeit die kleinen, zunächst unscheinbar
scheinenden Muscheln. Ihre feinen Nuancen geben den Mosaikbildern
Rhythmus, Spannung und Struktur. Sie arbeitet mit sehr einfachen Linien,
mit organischen Strukturen sowie der Urform des Kreises. Im Zusammenspiel
mit den ungleichmäßigen, unregelmäßigen Formen des natürlichen Materials
erhalten die Bilder ihre unvergleichliche Ausstrahlung. Mit den Jahren
konnte Bettina Follenius ihre Arbeitstechniken stetig verfeinern. Zuerst
muss der Untergrund, eine Holzplatte, präpariert werden, auf den die
Muscheln und Schneckenhäuser im Anschluss aufgeklebt werden. In die
entstehenden Zwischenräume wird mit Farbpigmenten vermischtes Zementpulver
eingebracht, welches mit Wasser benetzt wird und einen Tag durchtrocknen
muss, bevor der Vorgang drei bis vier Mal wiederholt wird. Diese Technik
erlaubt es, Farbverläufe zu inszenieren bzw. die Wirkung des Bildes zu
verändern. Die maximale Größe eines Mosaiks beträgt 60 x 60 cm, kleinstes
Format ist 40 x 20 cm. Durch Aneinanderreihung von mehreren Mosaiken kann
das Gesamtbild beliebig groß werden.
Seit 2001 stellt Bettina Follenius
ihre Bilder in verschiedenen Städten in Deutschland aus. Neben ihren
eigenen Ideen setzt sie auch Auftragsarbeiten um. Zu ihrer künstlerischen
Arbeit hat die sympathische Muschelsammlerin eine eigene Philosophie
entwickelt: „Ich genieße das langsame Arbeiten, das die Mosaike erfordern.
Es braucht Hingabe und Achtsamkeit und gleichzeitig entwickelt sich in dem
ganzen Entstehungsprozess auch Sammlung zu mir selbst und innere Ruhe. Das
ist ein wichtiger Aspekt meiner Bilder, den die Betrachter häufig
wahrnehmen.“
Das Meer als grandiose Welt geheimnisvollen Lebens inspirierte Bettina
Follenius auch zu einer zweiten, völlig anderen Schaffensphase. Seit 2008
widmet sie sich parallel dem „geheimen Leben der Fische“. Skurrile
Collagen, die im ersten Moment verwirren, dann jedoch die Fantasie anregen
und einladen, selbst Geschichten zu erfinden und weiterzuspinnen. „Die
ausdruckslosen Augen der Fische sehen für uns immer etwas erstaunt aus. So
als ob sie sich wundern, wo sie da wohl hineingeraten sind“, kommentiert
die Künstlerin ihre ungewöhnlichen Werke, die bewusst in kleinen Formaten
gehalten sind, um die Spannung zu erhöhen.
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www.BettinaFollenius.de
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www.whitewall.com/BettinaFollenius
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