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Die Visionäre von
Santanyi
Text: Gundula Luige-Runge |
Fotos: Klaus Lorke |
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Das alte Stadthaus neben der einstigen Eseltränke von Santanyí drohte zu verfallen. Es wäre eine Schande gewesen, nicht zu handeln, diesen emblematischen Ort einem ungewissen Schicksal zu überlassen. Zumal die Dorftränke unter Denkmalschutz steht und Haus und Tränke ein Ensemble bilden. Also kauften Maren und Hans-Peter Oehm gemeinsam mit Freunden vor zwei Jahren das alte Haus, das nur 100 Meter von der Kirche Sant Andreu und dem Marktplatz entfernt steht, um darin das Stadtbüro ihrer Firma „Piedra de Santanyi“ mit einem Ausstellungsraum für Bauprojekte, Baumaterialien und Möbel einzurichten. Auch die Ferienwohnung der befreundeten Familie befindet sich dort. „Bei der Restaurierung gingen wir äußerst behutsam vor.
Um die Fassade zu erhalten und zu entfeuchten wurde von innen ein komplett neues Mauerwerk vorgesetzt. Auf Elemente wie Isoverglasung haben wir bewusst verzichtet, um den Charme des Ortes möglichst zu erhalten“, berichtet Hans-Peter Oehm, der als gelernter Tischler bis heute den Bezug zum Handwerk und zu den Materialien nicht verloren hat. Über der alten, mit grobem Feldstein gemauerten Garage wurden ein Schlafzimmer und ein Bad eingebaut, in denen die offen liegenden Feldsteinwände sichtbar blieben. Badewanne und Waschbecken sowie sämtliche Fußböden wurden als moderner Kontrast hierzu aus einem Guss in Mikrozement gestaltet. Ein Material, das charakteristisch für Oehms Bauwerke ist. Ebenso wie der Santanyí-Stein, der seiner Firma den Namen gab, und der als Wahrzeichen des Landkreises von Santanyí gilt. Sämtliche alten Häuser sind aus diesem neben dem Mares-Stein seit Jahrhunderten in den Steinbrüchen der Region abgebauten Kalksandstein errichtet. Das berühmteste Bauwerk daraus ist die Kathedrale in Palma. Auch die Fassade von Oehms kleinem Stadthaus ziert dieser helle, warmtönige Stein, der bei Sonnenlicht seinen ganzen Charme entfaltet und an den der talentierte Baumeister „sein Herz verloren hat“, wie er gesteht.
Bei der Sanierung des Stadthauses blieben die Fassade, die Garage und der
Patio in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Von innen allerdings wurde es
völlig neu aufgebaut und mit einer modernen Fußbodenheizung im Erdgeschoss
versehen sowie weiteren Fußböden aus Terrazzo, Landhausdielen und, wie
bereits erwähnt, Mikrozement. Auch das Dach haben die Oehms mit alten
Materialien neu eingedeckt, so dass sich die Anmutung des Hauses von außen
nahtlos in das gewachsene Stadtbild integriert. „Wir lieben Santanyí, die
Architektur der Häuser, deren Schönheit sich oft erst hinter den meist
schlichten Fassaden offenbart.
Von Beginn an hat das Paar die Kontakte zu den Insulanern gepflegt,
Spanisch gelernt sowie seine beiden Mädchen in die örtliche Grundschule
geschickt. So baute sich die Familie mit den Jahren ein soziales Netzwerk
auf, das in allen Lebensbereichen eine wichtige Stütze ist. Für Maren Oehm
war von vornherein klar: „Wenn ich ins Ausland gehe, um dort zu leben und
zu arbeiten, muss ich mich integrieren. Das gilt für die ganze Familie.
Auch durch unsere Kinder hatten wir sehr schnell viele nette Kontakte zu
den Mallorquinern. Die sind wirklich sehr aufgeschlossen, wenn man offen
auf sie zugeht“, sagt die zierliche Innenarchitektin, die in Paris
studierte und dort acht Jahre ihres Lebens verbrachte. Nachdem Hans-Peter
Oehm bereits in Deutschland ein erfolgreicher Unternehmer war, gründete er
1998 auf Mallorca die Firma „Piedra de Santanyi“. Mittlerweile sind die
beiden in der glücklichen Lage, nur solche Bauprojekte zu realisieren, von
denen sie selbst hundertprozentig überzeugt sind.
Für unsere Häuser benutzen wir nicht nur inseltypische Materialien wie den
Bruchstein, Mares- und Santanyí-Stein, Cotto, Zementsand, Kies, Holz und
Stahl, wir arbeiten bewusst auch mit ortsansässigen Handwerksbetrieben
zusammen. Wir leben unter Mallorquinern, bauen mit mallorquinischen
Werkstoffen und Methoden – wer könnte also besser damit umgehen als
einheimische Handwerker. Über die Jahre sind wir zu tollen Partnern
zusammengewachsen, können uns vertrauen und aufeinander verlassen. Das
kommt der gemeinsamen Arbeit ebenso zugute wie dem Auftraggeber“,
kommentiert der Kölner seine Philosophie.
Die Bauweise von „Piedra de Santanyi“ liegt weit über dem üblichen Standard, bei welchem meist das, was den Charme eines mediterranen Hauses ausmacht, fehlt. Aufwändige Feldsteinverkleidungen, Holzbalken-Tonplattendecken, Regenrinnen und Fallrohre aus Ton gehören ebenso dazu wie auf Wunsch antike Baumaterialien. Alles wird von Beginn an eingeplant – vom Pflanztrog über die Gartenanlage bis zur Außenküche. Damit die Kosten vorher klar sind. Ebenso kümmern sich die Oehms um Details im Haus, wie gemauerte Küchen, eingemauerte Schränke, Wannen, Bäder in Terrazzo und Ähnliches. Was den Standard der Haustechnik betrifft, sind Villen und Landhäuser mit einem ausgeklügelten Wassersystem ausgestattet, bei welchem das Haus neben der Stadtwasserversorgung auch autonom über Brauch- und Trinkwasserzisternen versorgt werden kann. Wertvolles Regenwasser aus den Wintermonaten wird aufgefangen und entlastet im Sommer nicht nur die inseleigene Wasserversorgung, sondern sorgt während längerer Trockenperioden für ausreichend Wasser im Haus. Sämtliche Objekte sind mit Fußbodenheizung ausgestattet, mit Fenstern zum Beispiel aus Teakholz, so dass die Tücken des mediterranen Klimas, Wind und vor allem Feuchtigkeit, nicht die schönsten Zeiten des Jahres verderben. Die zwei- bis dreischaligen Mauerwerke, Feuchtigkeitssperren sowie die isolierende Styrodurschicht und überdachte Terrassen schützen vor eindringender Hitze und Kälte. Außerdem werden die Häuser so ausgerichtet und isoliert, dass im Sommer keine Klimaanlage und im Winter möglichst wenig Heizung notwendig sind. So entstehen einzigartige Qualitätsbauwerke, die neben stilbildenden Details die Liebe des Baumeisters zu authentischen Materialien offen legen.
Das neueste Projekt des Teams von „Piedra de Santanyi“ ist eine
herrschaftliche Finca mit etwa 450 bis 500 Quadratmeter Wohnfläche auf
einem ländlichen, direkt an das Naturschutzgebiet „Es Rafal“ angrenzenden,
20.000 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe des Ortes Es Llombards.
In den nächsten COUNTRY-STYLE-Ausgaben werden wir über dieses und weitere
Projekte berichten. |
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