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COUNTRY STYLE Heft 51

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März 2010

Die Visionäre von Santanyi
Seit dreizehn Jahren leben und arbeiten Maren und Hans-Peter Oehm auf Mallorca in der Gemeinde Santanyí. Das Innenarchitekten- und Designerpaar baut nicht nur spektakuläre Landhäuser und Villen aus dem typischen Sandstein der Region, es setzt sich auch mit großem Engagement für den Erhalt der Altstadt von Santanyí ein.

Text: Gundula Luige-Runge | Fotos: Klaus Lorke
 

Das alte Stadthaus neben der einstigen Eseltränke von Santanyí drohte zu verfallen. Es wäre eine Schande gewesen, nicht zu handeln, diesen emblematischen Ort einem ungewissen Schicksal zu überlassen. Zumal die Dorftränke unter Denkmalschutz steht und Haus und Tränke ein Ensemble bilden. Also kauften Maren und Hans-Peter Oehm gemeinsam mit Freunden vor zwei Jahren das alte Haus, das nur 100 Meter von der Kirche Sant Andreu und dem Marktplatz entfernt steht, um darin das Stadtbüro ihrer Firma „Piedra de Santanyi“ mit einem Ausstellungsraum für Bauprojekte, Baumaterialien und Möbel einzurichten. Auch die Ferienwohnung der befreundeten Familie befindet sich dort. „Bei der Restaurierung gingen wir äußerst behutsam vor.


Im Showroom ihres Stadthauses finden Kunden viele Anregungen für einen Zweitwohnsitz auf Mallorca.

Um die Fassade zu erhalten und zu entfeuchten wurde von innen ein komplett neues Mauerwerk vorgesetzt. Auf Elemente wie Isoverglasung haben wir bewusst verzichtet, um den Charme des Ortes möglichst zu erhalten“, berichtet Hans-Peter Oehm, der als gelernter Tischler bis heute den Bezug zum Handwerk und zu den Materialien nicht verloren hat. Über der alten, mit grobem Feldstein gemauerten Garage wurden ein Schlafzimmer und ein Bad eingebaut, in denen die offen liegenden Feldsteinwände sichtbar blieben. Badewanne und Waschbecken sowie sämtliche Fußböden wurden als moderner Kontrast hierzu aus einem Guss in Mikrozement gestaltet. Ein Material, das charakteristisch für Oehms Bauwerke ist. Ebenso wie der Santanyí-Stein, der seiner Firma den Namen gab, und der als Wahrzeichen des Landkreises von Santanyí gilt. Sämtliche alten Häuser sind aus diesem neben dem Mares-Stein seit Jahrhunderten in den Steinbrüchen der Region abgebauten Kalksandstein errichtet. Das berühmteste Bauwerk daraus ist die Kathedrale in Palma. Auch die Fassade von Oehms kleinem Stadthaus ziert dieser helle, warmtönige Stein, der bei Sonnenlicht seinen ganzen Charme entfaltet und an den der talentierte Baumeister „sein Herz verloren hat“, wie er gesteht.


Inseltypisches Baumaterial und regionale architektonische Elemente integrieren die Villen perfekt in die Landschaft.

Bei der Sanierung des Stadthauses blieben die Fassade, die Garage und der Patio in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Von innen allerdings wurde es völlig neu aufgebaut und mit einer modernen Fußbodenheizung im Erdgeschoss versehen sowie weiteren Fußböden aus Terrazzo, Landhausdielen und, wie bereits erwähnt, Mikrozement. Auch das Dach haben die Oehms mit alten Materialien neu eingedeckt, so dass sich die Anmutung des Hauses von außen nahtlos in das gewachsene Stadtbild integriert. „Wir lieben Santanyí, die Architektur der Häuser, deren Schönheit sich oft erst hinter den meist schlichten Fassaden offenbart.

Wir mögen die engen Gassen und das bunte Treiben an Markttagen und wir mögen die Bewohner von Santanyí, mit denen wir auch beruflich eng zusammenarbeiten und mit denen uns herzliche Freundschaften verbinden“, erzählt Hans-Peter Oehm. Wie zum Beispiel mit dem Maler Camargo, dessen farbintensive Exponate sich in vielen der Oehmschen Häuser wiederfinden, oder mit Miguel, dem Wirt seiner Stammkneipe und direktem Nachbarn am privaten Fischerhäuschen in Cala Figuera. Nicht zu vergessen Sebastián, der kreative Kopf und Inhaber des Steinbruchs, aus dem die Santanyí-Steine stammen. Und auch zum Oberbürgermeister besteht ein guter Draht, haben der und Hans-Peter Oehm doch eine gemeinsame Vision: den Erhalt historisch gewachsener Bausubstanz in der Gemeinde Santanyí. Das wäre nicht immer einfach, doch die bisherigen Ergebnisse sprächen für sich und es lohne jeder Einsatz, betont Oehm, der gern mit privaten Bauherren und Investoren zusammenarbeitet, die ebenso denken wie er selbst.


Lichtdurchflutet und großzügig präsentieren sich die Villen und Suiten.

Von Beginn an hat das Paar die Kontakte zu den Insulanern gepflegt, Spanisch gelernt sowie seine beiden Mädchen in die örtliche Grundschule geschickt. So baute sich die Familie mit den Jahren ein soziales Netzwerk auf, das in allen Lebensbereichen eine wichtige Stütze ist. Für Maren Oehm war von vornherein klar: „Wenn ich ins Ausland gehe, um dort zu leben und zu arbeiten, muss ich mich integrieren. Das gilt für die ganze Familie. Auch durch unsere Kinder hatten wir sehr schnell viele nette Kontakte zu den Mallorquinern. Die sind wirklich sehr aufgeschlossen, wenn man offen auf sie zugeht“, sagt die zierliche Innenarchitektin, die in Paris studierte und dort acht Jahre ihres Lebens verbrachte. Nachdem Hans-Peter Oehm bereits in Deutschland ein erfolgreicher Unternehmer war, gründete er 1998 auf Mallorca die Firma „Piedra de Santanyi“. Mittlerweile sind die beiden in der glücklichen Lage, nur solche Bauprojekte zu realisieren, von denen sie selbst hundertprozentig überzeugt sind.

Die Sanierung und Erhaltung historischer Bausubstanz wie die von Stadthäusern und romantischen Fischerhäuschen am Meer ist dabei eine Leidenschaft des sympathischen Paares geworden, eine, für die sich besonders Hans-Peter ins Zeug legt. Eine weitere ist der Neubau von authentischen Landhäusern und eleganten Villen aus Santanyí-Stein. Ihre in der Regel axial symmetrisch angelegte Architektur verschmilzt harmonisch mit der Landschaft und traditionelle, inseleigene Bautechniken verbinden sich mit modernsten Standards effektiv und – wenn möglich – zum Wohle der Umwelt. Grundsätzlich plant das Paar seine Häuser gemeinsam – es sind durchschnittlich zwei bis drei Neubau-Villen oder -Landhäuser pro Jahr, zuzüglich einiger kleinerer Projekte wie Sanierungen oder Ladenbau. Wobei die beiden anschließend die Betreuung der Baustellen übernehmen und mit den Bauherrn die Detailplanung der Interieurs ausarbeiten. Auf Wunsch werden die Häuser gleich komplett eingerichtet. Der Vorteil für den Bauherrn liegt auf der Hand: Vom Grundstück über die Planung bis zur Schlüsselübergabe gibt es nur einen Ansprechpartner, und der ist immer vor Ort. Seit Jahren arbeitet das Architekturbüro mit den gleichen mallorquinischen Handwerkerteams zusammen. „Das gehört zu unserer Philosophie.


Die Kiesel-Intarsien in den Bodenbelägen sind reine Handarbeit und erfordern – neben Geduld – eine Menge Zeit.

Für unsere Häuser benutzen wir nicht nur inseltypische Materialien wie den Bruchstein, Mares- und Santanyí-Stein, Cotto, Zementsand, Kies, Holz und Stahl, wir arbeiten bewusst auch mit ortsansässigen Handwerksbetrieben zusammen. Wir leben unter Mallorquinern, bauen mit mallorquinischen Werkstoffen und Methoden – wer könnte also besser damit umgehen als einheimische Handwerker. Über die Jahre sind wir zu tollen Partnern zusammengewachsen, können uns vertrauen und aufeinander verlassen. Das kommt der gemeinsamen Arbeit ebenso zugute wie dem Auftraggeber“, kommentiert der Kölner seine Philosophie.

Jedes Haus entsteht in enger Zusammenarbeit mit den künftigen Eigentümern. Geplant wird von innen heraus nach den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten der Bewohner. Daraus ergeben sich Grundriss und Größe, selbstverständlich unter Einbeziehung der Grundstückslage und des über Tag wandernden Sonnenstandes. Ein Punkt, der für die Planung der Terrassen von Bedeutung ist. Neben diesen in Auftrag gebauten Objekten erstellen die Oehms in Eigenregie Häuser in besonders reizvollen Lagen, die dann nach der Fertigstellung zum Verkauf angeboten werden.


Mit viel Liebe zum Detail sanierten Oehms das malerische Bootshäuschen im Hafen von Cala Figuera. Vom Doppelbett mit Hafenblick über eine Dusche bis zum Kamin ist alles auf nur wenigen Quadratmetern vorhanden.

Die Bauweise von „Piedra de Santanyi“ liegt weit über dem üblichen Standard, bei welchem meist das, was den Charme eines mediterranen Hauses ausmacht, fehlt. Aufwändige Feldsteinverkleidungen, Holzbalken-Tonplattendecken,  Regenrinnen und Fallrohre aus Ton gehören ebenso dazu wie auf Wunsch antike Baumaterialien. Alles wird von Beginn an eingeplant – vom Pflanztrog über die Gartenanlage bis zur Außenküche. Damit die Kosten vorher klar sind. Ebenso kümmern sich die Oehms um Details im Haus, wie gemauerte Küchen, eingemauerte Schränke, Wannen, Bäder in Terrazzo und Ähnliches. Was den Standard der Haustechnik betrifft, sind Villen und Landhäuser mit einem ausgeklügelten Wassersystem ausgestattet, bei welchem das Haus neben der Stadtwasserversorgung auch autonom über Brauch- und Trinkwasserzisternen versorgt werden kann. Wertvolles Regenwasser aus den Wintermonaten wird aufgefangen und entlastet im Sommer nicht nur die inseleigene Wasserversorgung, sondern sorgt während längerer Trockenperioden für ausreichend Wasser im Haus. Sämtliche Objekte sind mit Fußbodenheizung ausgestattet, mit Fenstern zum Beispiel aus Teakholz, so dass die Tücken des mediterranen Klimas, Wind und vor allem Feuchtigkeit, nicht die schönsten Zeiten des Jahres verderben. Die zwei- bis dreischaligen Mauerwerke, Feuchtigkeitssperren sowie die isolierende Styrodurschicht und überdachte Terrassen schützen vor eindringender Hitze und Kälte. Außerdem werden die Häuser so ausgerichtet und isoliert, dass im Sommer keine Klimaanlage und im Winter möglichst wenig Heizung notwendig sind. So entstehen einzigartige Qualitätsbauwerke, die neben stilbildenden Details die Liebe des Baumeisters zu authentischen Materialien offen legen.

Das neueste Projekt des Teams von „Piedra de Santanyi“ ist eine herrschaftliche Finca mit etwa 450 bis 500 Quadratmeter Wohnfläche auf einem ländlichen, direkt an das Naturschutzgebiet „Es Rafal“ angrenzenden, 20.000 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe des Ortes Es Llombards. In den nächsten COUNTRY-STYLE-Ausgaben werden wir über dieses und weitere Projekte berichten.
>>> www.piedra-santanyi.com

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