Anzeige

COUNTRY STYLE Heft 47

  Home | Abo | Archiv | OnlineShop |

März 2009


Bei der Rallye des Belles von Vichy nach St. Tropez sind ausschließlich Frauen als Fahrer und Beifahrer zugelassen. In diesem Jahr feiert die vom Franzosen Henri Fulton ins Leben gerufene Veranstaltung ihr zehnjähriges Jubiläum. Zeit für einen schnellen Rückblick.

Text und Fotos: Gudrun Muschalla

Le Rozier, Frankreich: Vierzig weiß gekleidete Frauen sitzen an einer edlen Tafel, heben die Gläser und prosten einem Mann zu. Gehören sie zu einer Sekte? Ja und nein. Zettel mit Zeiten werden verglichen und die Gläser erneut gehoben. Ja, es ist eine Gruppe von Frauen, die das Leben genießen und das Land „erfahren“ wollen. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Damen sind auf der Durchreise von Vichy nach St. Tropez. Mit ziemlich edlen Begleitern. Da wäre zum Beispiel der weiße Daimler Conquest Century von 1959 von Pia Pierre oder der kleine rote Healey Sprite gleichen Baujahrs von Marie Thérèse Gelat, der schon im Film von Claude Chabrol „La fille coupée en deux“ eine bedeutende Rolle spielte.

Apropos Prominenz: Die Damen erinnern mit ihrer weißen Kleidung an die legendären „White Nights“, die der Chanson-Produzent Eddie Barclay bis zu seinem Tod in St. Tropez veranstaltete. Der Entdecker von Jacques Brel, Dalida, Charles Aznavour und Mireille Mathieu gründete als Jazz-Fan einen Club, in dem sich Existenzialisten trafen, und die Plattenfirma Blue Star, die er 1978 an Polygram verkaufte. Aber St. Tropez ist noch zwei Tagesreisen entfernt, abendfüllendes Gesprächsthema ist die Fahrt bei Schneeregen über den Prat du Bouc in 1392 Höhe. Die Reise durch die Auvergne war anspruchsvoll für die sommerbereiften internationalen Cabrios der Damen. Da wäre zum Beispiel „Alicia“, der auf Achse aus England angereiste rote Alfa Romeo Spider, Bj. 72 von Sue Pearson, deren Scheidung Anlass genug für die Erfüllung ihres Jugendtraums war. Es ist ihre erste Rallyeteilnahme, der Gewinn einer Trophäe ist nicht so wichtig. Allerdings hat sie mit ihrer Schwiegertochter eine ehrgeizige Unternehmensberaterin an ihrer Seite, die die bisherigen sieben Zeitmessungen zwischen Vichy, Conol, Besse, St. Urcize und Le Rozier genau analysiert und auswertet. Die Damen landen am Ende auf dem zweiten Platz und sind dann doch ein wenig stolz.

Pia, die Archäologin mit Wohnsitzen in Frankreich, Bangkok und Shanghai, bestellt eine weitere Flasche Champagner. Die Gläser werden erneut gehoben. Auf den Daimler, dessen Verdeck in der letzten Nacht durch herabfallende schneebedeckte Äste komplett zerstört wurde. Pia ist trotzdem weitergefahren. Dann halt offen, langsam und als Letzte, aber immer mit einer Slim-Zigarette im Mundwinkel. Im nächsten Jahr wird sie mit einem anderen der neun Oldtimer, die in ihrem Anwesen in Château Beaupré auf ihren Einsatz warten, an den Start gehen. „Hauptsache heil ankommen.“ Dieser Satz bringt sie, wenn auch als Letzte, so doch sicher nach St. Tropez.

Der dritte Tag beginnt mit den ersten Sonnenstrahlen der Tour und dem Studium der Karten. Navigeräte sind verpönt. Schließlich möchten die Damen sich nicht von einer Männerstimme sagen lassen, wo’s langgeht – und außerdem verstößt der Einsatz elektronischer Helfer gegen die Rallyeregeln. Gefahren wird hautsächlich über Nebenstraßen, heute über D29, D110, D999, D11, D8, D982, D4 und D26. Bei solchen Strecken wird auch der kartenlesenden Beifahrerin nie langweilig. Pünktlich zum Déjeuner auf Pias Anwesen in Château Beaupré Deleuze in St. Laurent des Arbres stehen alle Wagen auf der großen Wiese hinter dem Haus. Die Gesichter der Damen sind von der Sonne rot, die Frisuren sahen auch schon mal besser aus. Dominique Philippart zeigt, wie man einen perfekten Turban wickelt, danach sind auch widerspenstige Haare kein Schönheitsproblem mehr. Der Pool lädt zum Schwimmen ein, Pia macht eine schnelle Hausführung durch die geschmackvoll eingerichteten Gästeappartements.


 

Unruhe beim Start in Vichy: ein schneller Check – nichts vergessen? Das Detailstudium von Karten und Strecken gehört zu den wichtigsten Aufgaben am Morgen. Das perfekte Duo: immer gut vorbereitet – Dominique Philippart ist die Beifahrerin von Martine Rieu im gelben Morgan Bj. 75

Nach dem Essen locken die Wiese, der Pool, ein weiteres Glas Wein. Niemand hat es eilig. Nur Annie Soisbault will endlich wieder fahren. Für die seit 1970 pensionierte Rennfahrerin sind Triumph, Ferrari, Jaguar und Aston Martin vertraute Arbeitsgeräte. Ein kleiner Rennauszug: 1958 – French Championchip, 1959 – Tour d’Europe, 1960 – Rallye Monte Carlo und Tour de France. Gewinne nicht nur in der Damenwertung. Sie zeigt uns ein verblichenes Schwarzweißfoto mit einem lebenden Leoparden auf dem Beifahrersitz: „Die schnelle Pat Moss, Schwester des legendären Rennfahrers Sir Stirling Moss, war meine schärfste Konkurrentin.“ Der Motor des Porsche 911 T heult auf. Valerie Gautrin, die Besitzerin des Porsche, schaut ein wenig traurig, aber lächelnd zu uns: „Wer mit Annie im Team fährt, wird auf den Beifahrersitz verbannt.“

Cavaillon, Provence. Kleiderordnung für den Abend – bitte zur Region passend. Debriska und Deborah Wagner aus der Schweiz erscheinen zum Dinner, das Gelächter und der Applaus der restlichen Mannschaft findet kein Ende. Die beiden sind als provenzalische Kräutersäckchen verkleidet, stilgerecht mit einem großen Lavendelschild um den Hals. Schräge Outfits haben Tradition bei dieser Rallye, denn nur über Pferdestärken will sich hier niemand unterhalten. Genuss ist wichtiger, deshalb ist der quitschgelbe Triumph des schweizerischen Mutter-Tochter-Teams auch nicht gerade in 1A-Zustand.
Die beiden nehmen es gelassen, schließlich hat der Wagen sie auch schon bei der Rallye „2000 Kilometer durch Deutschland“ sicher ans Ziel gebracht. Wichtiger ist das Kassettendeck: Die Rockröhre Janis Joplin begleitet die beide seit Vichy ununterbrochen. St.Tropez. Aufstellung der Fahrzeuge zum Concours durch die Stadt. Krönender Abschluss: Eine Juryrung der Fahrzeuge im Hafen. Welches Team hat das am besten passende Outfit zum Fahrzeug? Die Entscheidung dürfte schwerfallen. Dominique Florets und Sophie Boyers Pünktchenkleider sind perfekt auf ihren Morgan abgestimmt, im Morgan von Martine Rieu sitzt ein Mafia-Duo, Sandra Kreienbüchel aus der Schweiz hat sich selbst, Mutter und Mercedes Pagode mit Blumenketten geschmückt, das Schweizer Triumph-Team erscheint im Hippie Look der 70er, den Preis gewinnen Pascale Braun und Christine Burel im Schottenlook zum weißen Morgan. Internationalität zählt.

Ein älterer Herr nähert sich dem BMW Z1 von BMW Classic aus München, der auf der gesamten Strecke mein treuer Begleiter war. Er lobt den Top-Zustand des Wagens. Ob er mal mitfahren darf? Ich zeige ihm mein Rallyeschild „Vichy – St. Tropez feminin“ und erkläre ihm lächelnd: „Bei dieser Rallye sind nur Frauen zugelassen. Alles zur Rallye Sorry, Monsieur.“

Alles zur Rallye

Rallye Kontakt: Henri Fulton
E-Mail: info@routes-paralleles.com
Internet:
www.routes-paralleles.com/rallyedesbelles

Telefon: 00 33 (0) 6 86 82 05 60
Routes Paralelles, BP 108
F-92203 Neuilly

Sprachen: Englisch und Französisch

Termin: Oktober 2009.
Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.

Ort: Die 10. Rallye des Belles wird in St.Tropez starten und enden.

Dauer: 4–5 Tage, 2 Übernachtungen in den französichen Seealpen, voraussichtlich eine Übernachtung in Nizza.

Voraussetzungen: Baujahr des teilnehmenden Wagens vor 1980. Jüngere Autos können auf Anfrage und Einladung der Rallyeleitung im Sonderfall mitfahren. Zugelassen sind ausschließlich weibliche Fahrer und Beifahrer.

Kosten: ca. 1900 Euro für zwei Personen

Leistungen: alle Übernachtungen während der Rallye im Doppelzimmer, Auftaktabendessen zum Rallyebeginn, Abschlussdinner, Organisation und Zeitmessung, Roadbook, begleitendes Reparaturteam.

Anreise: auf Achse im eigenen Wagen oder Autozug (www.autozug.de)

Verbindungen: nach Avignon (ab Berlin, Hamburg oder Hildesheim), Entfernung Avignon–St. Tropez, ca. 200 km. 

Nach Alessandria/Italien (ab Düsseldorf, Hamburg/ Altona, Hildesheim oder Frankfurt/Neu-Isenburg) Entfernung Alessandria/Italien – St. Tropez, ca. 355 km.

Hotel- und Übernachtungs-
empfehlungen


Château Beaupré Deleuze
F-30126 Saint Laurent des Arbres
Telefon: 00 33 (0) 6 24 10 43 19
E-Mail: contact@chateau-beaupre.com
Internet: www.chateau-beaupre.com


Grand Hôtel de la Muse et du Rozier
Route des Gorges du Than D 907
F-12720 Mostuejouls
Telefon: 00 33 (0) 5 65 62 60 01
E-Mail: info@hotel-delamuse.fr
Internet: www.hotel-delamuse.fr


DOMAINE COCAGNE
30 chemin du Pain de Sucre
F-06800 Cagnes sur Mer / Côte d’Azur
Telefon: 00 33 (0) 4 92 13 57 77
Telefax : 00 33 (0) 4 92 13 57 89
E-Mail: hotel@domainecocagne.com
Internet: www.domainecocagne.com

Streckenführung der bisherigen Rallyes
Vichy – St. Tropez


1. Tag: Vichy, Conol, Besse (205 km)
2. Tag: Besse, St. Urcize, Le Rozier (252 km)
3. Tag: Le Rozier, Château Beaupré,
Cavaillon (261 km)
4. Tag: Cavaillon, Collobrieres, St. Tropez
 (204 km)

Gruppenbild mit Damen: nach dem letzten Déjeuner vor St. Tropez – sur le pont d’Avignon, pardon, geografisch korrekt: in Collobrieres.

COUNTRY-STYLE Ausgabe Heft 47, erhältlich in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie  mit einem COUNTRY STYLE Abonnement viermal im Jahr Einblicke in die schönsten Häuser auf dem Lande. Lassen Sie sich verzaubern von romantischen Wohnambiancen und traumhaften Gärten.

  | Home | Abo | Archiv | OnlineShop  

LIVING-FINE - Das neue Lifestyle Portal aus dem Klocke Verlag
Alle exklusiven Lifestyle-Magazine des Klocke Verlages gebündelt unter einem gemeinsamen Dach: www.living-fine.de


© Klocke Verlag GmbH, Höfeweg 40 in D-33619 Bielefeld| eMail | Impressum | Verlag | OnlineShop
Fon: +49 / (0) 5 21 / 9 11 11 0 Fax: 05 21 / 9 11 11 12 

   

Weitere Publikationen:

HIDEAWAYS | A LA CARTE-Magazin | HIGH LIFE | YACHTING & STYLE | Beauty-Hotels.com | alacarte.de |