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Bei der Rallye des Belles
von Vichy nach St. Tropez sind ausschließlich Frauen als Fahrer und
Beifahrer zugelassen. In diesem Jahr feiert die vom Franzosen Henri Fulton
ins Leben gerufene Veranstaltung ihr zehnjähriges Jubiläum. Zeit für einen
schnellen Rückblick. Text
und Fotos:
Gudrun Muschalla Le Rozier, Frankreich: Vierzig
weiß gekleidete Frauen sitzen an einer edlen Tafel, heben die Gläser und
prosten einem Mann zu. Gehören sie zu einer Sekte? Ja und nein. Zettel mit
Zeiten werden verglichen und die Gläser erneut gehoben. Ja, es ist eine
Gruppe von Frauen, die das Leben genießen und das Land „erfahren“ wollen.
Im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Damen sind auf der Durchreise von
Vichy nach St. Tropez. Mit ziemlich edlen Begleitern. Da wäre zum Beispiel
der weiße Daimler Conquest Century von 1959 von Pia Pierre oder der kleine
rote Healey Sprite gleichen Baujahrs von Marie Thérèse Gelat, der schon im
Film von Claude Chabrol „La fille coupée en deux“ eine bedeutende Rolle
spielte.
Apropos Prominenz: Die Damen erinnern mit ihrer weißen Kleidung an die
legendären „White Nights“, die der Chanson-Produzent Eddie Barclay bis zu
seinem Tod in St. Tropez veranstaltete. Der Entdecker von Jacques Brel,
Dalida, Charles Aznavour und Mireille Mathieu gründete als Jazz-Fan einen
Club, in dem sich Existenzialisten trafen, und die Plattenfirma Blue Star,
die er 1978 an Polygram verkaufte. Aber St. Tropez ist noch zwei
Tagesreisen entfernt, abendfüllendes Gesprächsthema ist die Fahrt bei
Schneeregen über den Prat du Bouc in 1392 Höhe. Die Reise durch die
Auvergne war anspruchsvoll für die sommerbereiften internationalen Cabrios
der Damen. Da wäre zum Beispiel „Alicia“, der auf Achse aus England
angereiste rote Alfa Romeo Spider, Bj. 72 von Sue Pearson, deren Scheidung
Anlass genug für die Erfüllung ihres Jugendtraums war. Es ist ihre erste
Rallyeteilnahme, der Gewinn einer Trophäe ist nicht so wichtig. Allerdings
hat sie mit ihrer Schwiegertochter eine ehrgeizige Unternehmensberaterin
an ihrer Seite, die die bisherigen sieben Zeitmessungen zwischen Vichy,
Conol, Besse, St. Urcize und Le Rozier genau analysiert und auswertet. Die
Damen landen am Ende auf dem zweiten Platz und sind dann doch ein wenig
stolz.
Pia, die Archäologin mit Wohnsitzen in Frankreich, Bangkok und Shanghai,
bestellt eine weitere Flasche Champagner. Die Gläser werden erneut
gehoben. Auf den Daimler, dessen Verdeck in der letzten Nacht durch
herabfallende schneebedeckte Äste komplett zerstört wurde. Pia ist
trotzdem weitergefahren. Dann halt offen, langsam und als Letzte, aber
immer mit einer Slim-Zigarette im Mundwinkel. Im nächsten Jahr wird sie
mit einem anderen der neun Oldtimer, die in ihrem Anwesen in Château
Beaupré auf ihren Einsatz warten, an den Start gehen. „Hauptsache heil
ankommen.“ Dieser Satz bringt sie, wenn auch als Letzte, so doch sicher
nach St. Tropez.
Der dritte Tag beginnt mit den ersten Sonnenstrahlen der Tour und dem
Studium der Karten. Navigeräte sind verpönt. Schließlich möchten die Damen
sich nicht von einer Männerstimme sagen lassen, wo’s langgeht – und
außerdem verstößt der Einsatz elektronischer Helfer gegen die
Rallyeregeln. Gefahren wird hautsächlich über Nebenstraßen, heute über
D29, D110, D999, D11, D8, D982, D4 und D26. Bei solchen Strecken wird auch
der kartenlesenden Beifahrerin nie langweilig. Pünktlich zum Déjeuner auf
Pias Anwesen in Château Beaupré Deleuze in St. Laurent des Arbres stehen
alle Wagen auf der großen Wiese hinter dem Haus. Die Gesichter der Damen
sind von der Sonne rot, die Frisuren sahen auch schon mal besser aus.
Dominique Philippart zeigt, wie man einen perfekten Turban wickelt, danach
sind auch widerspenstige Haare kein Schönheitsproblem mehr. Der Pool lädt
zum Schwimmen ein, Pia macht eine schnelle Hausführung durch die
geschmackvoll eingerichteten Gästeappartements. |