|
Wehmütig blickt sie dabei auf die Hausbewohner Juna, Fidel, Ferdi, Fine
und Paula, die nach der morgendlichen Tobestunde ihr wohlverdientes
Schläfchen ganz offensichtlich genießen. Eng aneinander gekuschelt haben
sie es sich in einer Ecke des „Spielzimmers“ gemütlich gemacht und sie
lassen sich selbst von uns Fremden nicht stören. Nur Mama Edda beäugt
unsere Welpen-Annäherungsversuche zunächst skeptisch. Doch ein Blick der
Züchterin genügt, und sie versteht auf Anhieb: alles ok! Und nach ein paar
Streicheleinheiten haben wir eine neue
Freundin gewonnen. Auch die zweite cremeweiße – falbfarbene –
Havaneser-Dame des Hauses, Tammy, ist uns nach einem kleinem Ballspiel und
ein paar Bauchkraulern bestens gewogen. Nur Lucie, die schwarzfarbene und
im Normalfall agilste des Damen-Trios, knurrt ein wenig, als wir uns ihre
erst zwei Tage alten Welpen aus der Nähe anschauen möchten. „Am liebsten
würde ich sie alle selbst behalten, aber das ist natürlich nicht möglich“,
seufzt die kaufmännische Angestellte, die ihre Liebe zu dieser
unwiderstehlichen Kleinhundrasse eher zufällig entdeckte. Eigentlich hatte
sie nur einen Begleiter für ihren Chow-Chow Polle gesucht. Einen Hund,
dersich gut mit anderen Tieren verträgt und vertrauensvoll auf Menschen
reagiert. Er sollte nicht zu groß sein, aber auch nicht kläffen. Er sollte
keinen Jagdinstinkt haben, aber trotzdem lebendig und agil sein.
Verspielt, leicht erziehbar, gesund, anpassungsfähig, verschmust und und
und. Kurz gesagt, sie suchte das „karierte Maiglöckchen“ unter den
Hunderassen. Oder doch nicht?
In einer Publikation fiel ihr eine Abbildung eines
wunderschönen Havanesers auf, einer Rasse, die ihren Ursprung in der
westlichen Mittelmeergegend hat, auf Kuba eine Zeitlang sehr populär war,
in Deutschland jedoch erst seit 1982 gelistet ist. Sie informierte sich
über die eher seltene Rasse und konnte es kaum glauben: Diese putzigen
Vierbeiner vereinen in ihrem Wesen anscheinend alle
Charakter-eigenschaften, die sie sich für einen optimalen Begleithund
vorgestellt hatte. Und als dann die erste Begegnung anstand, war es Liebe
auf den ersten Blick (daher der beim „Verband für das Deutsche Hundewesen
e.V.“ eingetragene Zwingername „Amor a primera vista“). Eine Liebe, die
das Leben der jungen Frau grundlegend verändern sollte, und aus der
inzwischen eine ganze Havi-Familie erwachsen ist. Heute leben drei
Havaneser-Mädchen und die Rüden Lino und Bacio (Deckrüde Cubano lebt in
der Nähe von Borken) gemeinsam mit Polle, Mira Wilke und ihrem Mann unter
einem Dach und freuen sich des Lebens. Im Haus oder im Garten, wo ein Pool
und jede Menge Spielgeräte für Abwechslung und Bewegung sorgen. Höhepunkt
des Tages ist für alle Hunde die Inline-Skatertour, die die sportliche
Hausherrin täglich erst mit den Rüden und dann mit den Damen unternimmt.
Dabei gibt es immer etwas Neues zu entdecken und die Hunde können nach
Herzenslust toben und rennen.
„Meine Hunde haben alle die uneingeschränkte Zuchttauglichkeit erworben
und können auch einige Ausstellungserfolge vorweisen. Doch mein
hauptsächliches Augenmerk liegt auf der Züchtung von gesunden, typvollen
fröhlichen Familienhunden.“ Deshalb geht es im Hause Wilke dann besonders
aufregend zu, wenn ein neuer Wurf ansteht. Dann wird der Wintergarten
ausgeräumt und in eine richtige „Kinderstube“ verwandelt. Eine spezielle
Wurfkiste gehört dabei ebenso zur Ausstattung wie weiche Körbchen und
welpengerechte Spielgeräte. Sind die neuen Hausbewohner in den ersten drei Wochen noch
hauptsächlich mit Trinken und Schlafen beschäftigt, beginnt die
passionierte Tierliebhaberin schon früh, die Welpen zu sozialisieren. Um
sie an das Zusammenleben mit Menschen, anderen Tieren und an die Umwelt zu
gewöhnen nimmt sie sich ausnehmend viel Zeit. Sie beschäftigt die kleinen
Hunde gezielt im abwechslungsreichen Agility-Parcours im Garten. Sie führt
sie genauso behutsam an das Autofahren heran wie an den Straßenverkehr, an
fremde Tiere oder lärmende Kinder. Dabei wird sie von den „tierischen
Familienmitgliedern“ stets tatkräftig unterstützt. Zeitgleich zur
kompetenten Aufzucht wählt sie schon sehr früh die neue Familie für die
Welpen aus. Die Liste der Interessenten ist lang, doch die Ansprüche der
Züchterin an das neue Zuhause der „Havis“ überaus anspruchsvoll. Und nur
wenn sie sich hundertprozentig sicher ist, dass der Welpe in liebevolle
und verantwortungsvolle Hände kommt, stimmt sie dem Umzug zu. Natürlich
überlässt sie auch dabei nichts dem Zufall. Die neue Familie hat ihren
Hund schon möglichst oft besucht, bevor Mira Wilke persönlich die kleinen
Welpen (natürlich geimpft, gechippt und mehrfach entwurmt) in ihr neues
Heim übersiedeln lässt.
Mit im Gepäck eine Ahnentafel vom VK e.V. (VDH/FCI) und eine liebevoll
zusammengestellte Erstausstattung mit Futter, Spielzeug und einem
ausführlichen Leitfaden mit allem Wissenswerten rund um den „Havi“. Mit
dabei auch immer eine Packung Papiertaschentücher. Denn obwohl sie ihre
Hunde in guten Händen weiß, fällt ihr der Abschied jedes Mal sehr schwer.
Ihr einziger Trost ist die Gewissheit, der neuen Familie den Weg für ihr
Glück auf vier Pfoten geebnet zu haben.
|