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Seit fast
zwanzig Jahren bewirtschaftet die attraktive Österreicherin den
Berggasthof auf 1300 Meter Höhe. Arbeit hat sie nicht. Denn die Arbeit ist
ihr Leben. Dann nämlich, wenn sie ihre Angerer Alm zu einem Ort belebter
Gastlichkeit macht oder wenn sie als technische Direktorin des
österreichischen Sommelierverbandes ihr Land und seine Weine europa- und
sogar weltweit präsentiert. Überhaupt ist Annemarie gern unterwegs. Heute
Norwegen, morgen Frankreich, Australien, Südafrika, zwischendurch Rom oder
Lourdes, wo sie ihre Malteser Hospitaleinsätze absolviert. Aber sie freut
sich auch immer wieder "narrisch", auf die Alm zurückzukommen. Das ist ihr
Zuhause. "Diese Landschaft, das Leben im Einklang mit der Natur, kann es
etwas Schöneres geben?", fragt sie, stemmt die schwere Milchkanne, die sie
eben mit ihrem Neffen Georg von der Milchalm geholt hat, auf die alte
Holzbank. Zwanzig Kühe gehören zur Alm. "Ganz frisch", strahlt Annemarie
und schon stehen ein Glas Milch und deftige Käsespätzle auf dem Tisch.
Als junges Mädchen wäre Annemarie Foidl gern Stewardess geworden,
vielleicht auch Innenarchitektin oder Diplomatin. Dass sie ihr Leben
einmal auf einer Alm verbringen würde, das hatte sie nicht geplant. "Nach
der Matura wurde meine Tochter Katharina geboren. Ich war 19 Jahre",
erzählt die Bauerstochter vom Lacknerhof in St. Johann schmunzelt: "Jo mei,
ist halt passiert." Sie lernt beim Stanglwirt in Going, einem der
renommiertesten Häuser Tirols, legt die Konzessionsprüfung ab und
entschließt sich 1989 die Angerer Alm, die ihre Eltern gekauft hatten, zu
übernehmen. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich wohl hier oben. Mit
viel Liebe zum Detail richtet Annemarie die Gaststuben gemütlich ein. In
einem alten Eisenküchenherd lagern Weinflaschen, wunderschöne
Leinentischdecken, handgestickte Kissen, Bauernmöbel, ein grün gekachelter
Kaminofen und historische Bilder schaffen eine heimelige Atmosphäre.
Viele
Jahre steht sie selbst in der Küche und entdeckt immer mehr ihre Liebe zum
Wein. "Der Restaurantschef vom Lacknerhof hatte mein Interesse geweckt.
Ich wurde Mitglied im Sommelierverein, machte mein Diplom und arbeite
heute in der Ausbildungskommission", verrät Annemarie, lässt uns einen
Blick in ihren wohlsortierten Weinkeller werfen. Der ist wahrlich für ein
Almwirtshaus eine kleine Sensation. Über 6000 Flaschen von 400 Weingütern
hat sie zusammengetragen. Ganz seltene Tropfen wie ein
Madeira von 1795 sowie Zarenweine der Jahrgänge 1905, 1915, 1933 und 1945
sind darunter. "Das sind Kunstwerke. Die werden nur zu wirklich ganz
besonderen Anlässen getrunken", sagt die Sommelière fast andächtig.
Inzwischen hat sich die Küche mit Leben gefüllt. Hier werden die ersten
Vorbereitungen für das abendliche Menü getroffen. Eine Speisekarte gibt es
nicht. "I schau', was die Bauern oder der Huber-Metzger frisch anbieten
oder ob der Hans einen Bock geschossen hat."
"Hans is mei Bruada", erklärt
Annemarie, nascht von den Marillenknödeln, begrüßt Karin und Jochen Rienth,
die auf der Angerer Alm mit ihren Kindern Max und Marie Ferien machen.
"Wir sind schon zum zweiten Mal da. Kein Fernseher, das gute Essen, abends
spielen wir oder lesen den Kindern etwas vor. So entspannen können wir nur
hier", schwärmt die Stuttgarterin. Denn bei Annemarie Foidl kann man auch
in urig-gemütlichen Zimmern ohne TV und Telefon, dafür in kuscheliger
karierter Bettwäsche mit Blick auf die Berge traumhaft gut schlafen. Aber
zuvor gibt es Genuss pur.
Zu gebratenen Jakobsmuscheln mit flambierter
Ananas und Rucolapesto wird Topfbrot (im Miniblumentopf gebacken) mit
Kürbisbutter gereicht. Dazu schmeckt ein leichter Zinfandel vom
renommierten Weingut Karl Alphart aus Traiskirchen. Auch das getrüffelte
Kürbiskernmus mit Kapuzinerkresse und der Apfel-Curry-Cappuccino, garniert
mit Chilikrokant, zeigen den kreativen Einfallsreichtum von Annemarie
Foidl und ihrem Team. Köstlich der Rotbarsch mit Kartoffel- und
Tomatenmousseline, dem zart tranchierte Lammracks mit Polenta in
Rotweinsauce folgen. Annemarie holt aus ihrem gut bestückten Weinkeller
einen roten Blaufränkisch Leiterberg, Jahrgang 2004.
"Der passt."
Denn während sich tagsüber die einkehrenden Wanderer und Skifahrer deftige Käsespätzle, Speckplatten oder Bratapfel mit
Blutwurstfüllung schmecken lassen, genießen abendliche Gäste eine
Gourmetküche vom Feinsten.
Alle Speisen werden nicht nur serviert, sondern
wahrlich liebevoll zelebriert. So bringt der junge Mitarbeiter ("I bin der
Andy aus Tirol") das Heidelbeersorbet in einem Teelichthalter mit Kerze an
den Tisch und das Dessert - Zitronenmousse, Apfel-Ingwer-Konfekt und
Schokohaselnusskuchen - wird auf einer Schiefertafel, wunderschön verziert
mit geeisten Rosenblättern, serviert. "Das Auge isst mit", weiß Annemarie Foidl. Gesundheit, das Glück, zu tun, was sie tut, das empfindet sie nicht
als selbstverständlich. Stattdessen gehören ständige Neugier auf das
Leben, Weiterbildung und ein offenes Herz zu ihren Stärken. Die
Faszination, hier oben leben zu dürfen, so nah am Himmel, die ist in all
den Jahren geblieben. Mit einem herzlichen "Kuamts gsund wieda"
verabschiedet uns die Almwirtin.
Weitere Informationen:
www.angereralm.com
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