|
„1861“ PRANGT IN
GOLDENEN ZIFFERN AUF DEM GIEBEL der herrschaftlichen Villa im
Herzen des ostwestfälischen Kurortes. In jenem Jahr begann ihre
Geschichte als mondänes Logierhaus, das jahrzehntelang zu den
ersten Herbergsadressen der Stadt zählte und in dessen Café und
Restaurant die noble Gesellschaft ein und aus ging. Ja, selbst die
erste Kinoaufführung der Stadt fand im Jahre 1900 im großen Saal
im Erdgeschoss statt. Doch der Glanz verging und der Zahn der Zeit begann unerbittlich an den ehrwürdigen Mauern zu
nagen – insbesondere nachdem sich 1991 die Tür hinter dem letzten
Gast geschlossen hatte. Das einstige Prunkstück verwandelte sich
zu einem richtigen Schandfleck mitten im Herzen der Stadt. Pläne
zur Rettung gab es genug, doch verwirklicht wurde keiner. Fast
zehn Jahre waren die Mauern Wind und Wetter ausgesetzt und dem
endgültigen Verfall waren Tor und Tür geöffnet.
Zum Glück fand die Fast-Ruine doch noch einen Liebhaber, der dem
Anwesen seinen prunkvollen Glanz von einst zurückgeben wollte.
Dafür wurden die im Laufe der Jahrhunderte
entstandenen Nebengebäude entfernt und die Villa bis auf die
Fassade komplett entkernt. Doch das Bauvorhaben schien unter
keinem guten Stern zu stehen. Während der Arbeit an den
Fundamenten stürzte die Fassade in sich zusammen. Zum Glück kam
dabei niemand zu Schaden, doch die historische Bausubstanz war
nicht mehr zu retten. Trotz dieses Rückschlages beschloss der
engagierte Bauherr die Außenhülle anhand von alten Fotos und
vorhandenen Originalbauteilen zu rekonstruieren und im Inneren
seine ganz persönliche Vision vom stilvollen Wohnen zu
verwirklichen. Eine Herausforderung, die der Architekt Gottfried
Kasel in nur einem Jahr Bauzeit mit Bravour meisterte.
Pünktlich zu ihrem 140. Geburtstag
präsentierte sich die Villa schöner denn je: außen mit der
herrschaftlichen Architektur vergangener Tage mit spitzgiebeligen
Dachgauben, großen, doppelflügeligen Fenstern und geschwungenen
Balkon-balustraden; innen mit einer zeitgemäßen Interpretation
luxuriöser Eleganz, die bis in den kleinsten Winkel den
Vorstellungen des Inhabers entspricht. |