Wer einmal das kleine
Geschäft zwischen Prenzlauer Berg und Berlin-Mitte besucht hat,
erwirbt nicht nur einen komplett von Hand gefertigten Pantoffel,
sondern begibt sich auch auf eine Reise in die Vergangenheit. Denn
die Puschenmacher sind in Deutschland rar geworden. Die Jünemanns,
die zu den letzten Mohikanern ihrer Zunft zählen, leben in erster
Linie von ihren alten Stammkunden, die ihnen über all die Jahre
treu gehlieben sind. Viele erwerben pro Halbjahr ein neues Paar,
um zu Hause übers Parkett zu schlurfen. Allerdings nicht, weil die
Pantoffeln nicht halten, was sie versprechen. Sondern, weil zu
Hause die Latschen bei den Vierbeinern ebenso beliebt sind. Wer
einen Steinboden besitzt, sollte übrigens zu den Pantoffeln mit
der etwas festeren "Poro"-Sohle greifen, rät Günter Jünemann, der
mittlerweile über fünfzig Jahre Pantoffeln fertigt - in Grau oder
Gelbbraun kariert, von Größe 23 bis 52. vom Kragenschuh bis zum
Niedertreter, in Plüsch oder Filz.
Das Handwerk hat mir schon in der Kindheit gefallen", erzählt der
heute 65-jährige, "und es gefällt mir noch heute." Ans Aufhören
hat er lange nicht denken wollen, doch jetzt hat er sich
vorgenommen, nur noch vier Jahre zu arbeiten - sofern die
Gesundheit mitspielt. Dann ist er fast 70, hat über 55 Jahre
gearbeitet und der Betrieb feiert sein 100-jähriges Bestehen.
Dann
wird sein Sohn Reno, ein kräftiger junger Mann mit blondem
Bürstenhaarschnitt und "seit zehn Jahren dabei" für Kontinuität im
Hause Jünemann sorgen. Der 32-Jährige ist gelernter Orthopädieschuhmacher und
fertigt Pantoffel auch nach Sonderwünschen. Ein Renner sind etwa
die von ihm entworfenen Schlosspanloffeln, die wie alle Hausschuhe
und Puschen der Jünemanns mittlerweile recht erfolgreich auch über
das Internet vertrieben
werden.
Gegründet hat den Handwerksbetrieb Bernhard Jünemann, der in
Magdeburg anfing, und damals noch als fliegender Händler durch die
Lande zog. Seinen Vater Otto zog es dann 1927 nach Berlin, wo er
bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1957 ein gut gehendes
Pantoffelgeschäft - "immer im Zentrum der Stadt" - führte. 1968
hat Günter Jünemann dann endgültig den elterlichen Betrieb
übernommen, nachdem seine Mutier Edith nach dem Tod des Vaters elf
Jahre das Geschäft geleitet hat. [...] |