Nachdem sich Norbert
Nienhaus vor einigen Jahren aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet
hatte, machte er kurzentschlossen seine Leidenschaft für Fachwerkhäuser
zum Beruf. Sein Meisterstück: ein alter Münsterländer Hof aus dem Jahre
1778. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass Nienhaus in
Rheinberg - direkt neben der alten Drießener Mühle - einen idealen
Standort für sein Traumhaus gefunden hat. Nach aufwändiger Restaurierung
präsentiert sich das nostalgische Doppel am Niederrhein schöner denn je.
Ein Bericht von Peter Unger (Text) und Martin Bäuml (Fotos)
Das ehemalige Bauernhaus in Ständerbauweise bietet heute einer
sympathischen sechsköpfigen Familie - inklusive der beiden Boxer Paul (8
Jahre] und Smokey (8 Monate) - ein neues Zuhause. Typisch für das über
zweihundert Jahre alte „Niederdeutsche Hallenhaus" ist eine große Deele
(auch Fleet genannt), die sich je nach Größe bei allen Varianten (Zwei-,
Drei- und Vierständerbau) wiederfindet, Vorläufer dieser Gerüstbauten
waren einfache Hütten und Pfostenbauten. Die Nachteile des Pfostenbaus -
Fäulnisbildung an den eingegrabenen Pfosten - führten zur Entwicklung
des Standerbaus. Die tragenden Stützen stehen auf Fundamentsteinen oder
untermauerten Hörschwellen und sind nicht mehr im Boden verlieft. Erst
im 15. Jahrhundert wird es allgemein üblich, die Ständer auf
durchgehende Schwellen zu setzen und diese durch ein Fundament gegen
Feuchtigkeit zu schützen - wie beim fast zweihundert Jahre alten
Fachwerkhaus der Familie Nienhaus. Heute liegen die Balken wieder auf
einer Natursteinmauer, auf einem historischen Sandsteinsockel aus der
Ibenbürener Region, der allerdings bei der Restaurierung und vor der
Ausfachung mit einer horizontalen Feuchtigkeitssperre versehen wurde.
„Ein traditionelles
Zweiständerhaus besteht aus zwei senkrechten Ständern, über denen ein
mächtiger Balken liegt“, erklärt der Hausherr. In der Mitte entsteht so
eine große Tenne, an deren Seiten sich einst Stallungen für Kühe, Pferde
und Schweine befanden. Das Obergeschoss diente den Bauern als
Lagerstätte für Heu, die niedrigen Kammern über den Stallungen, die so
genannten Upkamern, wurden von Knechten und Mägden bewohnt - heute
Räumlichkeiten für die beiden Töchter Sandra (23) und Nicole (21). Auch
die Eltern haben in diesem Teil des Hauses ihr Schlafzimmer mit
angrenzendem Bad. Um das Fachwerk sanieren zu können, wurde das
ursprüngliche Gebäude aus dein Münsterland zunächst völlig entkernt,
zurückgebaut und neu abgebunden, bevor es in Rheinberg wieder errichtet
werden konnte. [...]
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