|
Abschied von einem Traditionshandwerk |
|
Wer mit offenen Augen durch Tegernsee spaziert wird bei einigen Herren eine braune, grüne oder graue Kopfbedeckung entdecken, die in der Region ihre traditionellen Wurzeln hat: den original Tegernseer-Filzhut. Man(n) trägt ihn ganz schlicht, nur mit einer Kordel verziert, oder etwas auffälliger mit Federn oder Gamsbart dekoriert. Ganz nach persönlichem Gusto. Allen gemeinsam ist die Herkunft aus Gottfried Schätz´ Hutmacherwerkstatt. Seit 55 Jahren geht der nunmehr 78-jährige seinem Beruf im familieneigenen Betrieb nach, will das Werk von Vater und Großvater so lange fortsetzen wie eben möglich.
Zu ihr führt eine schmale, steile Treppe hinab, die Wände, wie sollte es anders sein, sind mit den privat getragenen Hüten des Meisters geschmückt. Unten angekommen, steht man mittendrin in der kleinen Welt aus Stumpen, Matritzen und Appreturen - im Reich des letzten Hutmachers vom Tegernsee. Eigentlich wollte der 1921 geborene Schätz Zimmermann werden. Auf Wunsch seines Vaters begann er jedoch 1936 mit einer Hutmacher-Lehre in Augsburg. Nach Kriegsende stieg er in den väterlichen Betrieb ein und fertigt seitdem Filz- und Velourhüte in vielerlei Formen und Farben. Die Rohlinge für seine Stumpen bekommt er von einigen noch bestehenden Stumpenfabriken in Deutschland und Tschechien. Sie bestehen aus verschiedenen grün, grau oder braun durchgefärbten Filzarten, die sich in ihrer Beschaffenheit unterscheiden. So wird eleganter Velour aus feinem Hasenhaar hergestellt, glatter Filz aus Kaninchenhaar oder Wolle und grober Filz aus ebensolcher Wolle.
Ist das geschehen, trägt der Hutmacher eine Spezialappretur zum Nachsteifen des Materials auf, bügelt nochmals den Rand und schneidet ihn dann mit dem Randschneider in seine endgültige Form. Zum Schluss wird die Krempe des Tegernseer Hutes noch mit einem Einfassungsband umsteppt. Das geschieht an der historischen Pfaff-Nähmaschine, die schon Schätz´ Vater benutzte. Nun noch die obligatorische Kordel um den Hut und das Schweißband hineinnähen, was Ehefrau und Tochter übernehmen, ebenso das Schmücken mit Federn oder Gamsbart. Und fertig ist das Prachtstück.
Seine umfangreiche Holzformensammlung sowie die jahrzehntelange Erfahrung machen es möglich. Wer nun glaubt, so ein handgefertigtes Modell wäre entsprechend teuer, der irrt. Je nach Material kosten sie zwischen 90 und 250 DM. Weitere Pluspunkte sind Langlebigkeit und die Tatsache, dass Form und Farbe keinem Modetrend unterliegen. Schade nur, dass das Hutmacherhandwerk keine Zukunft mehr hat. Angesichts der geringen Anzahl der Handwerksbetriebe wurde es bereits aus der Handwerksrolle gestrichen. In Deutschland gibt es keine Ausbildungsplätze mehr. Deshalb wäre es wünschenswert, sich dem Zukunftswunsch von Meister Gottfried Schätz anzuschließen und wieder mehr Hüte zu tragen. "Damit unser Handwerk nicht ganz untergeht!" Das Fachgeschäft des letzten Hutmachers vom Tegernsee wird es trotzdem noch lange geben. Seine Tochter wird es im Sinne des Vaters fortführen. |
|
|
|
|
_________________________________________________________________________________________ |
|
|
|
HIDEAWAYS | A LA CARTE | Beauty-Hotels.com | alacarte-online.com | Shopping-Guide | Jahresguide | Shop | |