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Ausgabe August 2000

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Ein kleiner Rückblick in der Geschichte

Die Feuerstelle auf dem Flett des innermünsterländer Gräftehofes hatte keinen Rauchabzug.Die Küche als Herzstück des Hauses, als Treffpunkt für Familie, Freunde und Gäste gewinnt zunehmend wieder an Bedeutung, nachdem sie in den letzten Jahrzehnten zum reinen Funktionalismus verkommen war. 

Insbesondere die Landhausküche weckt Emotionen, ist sie doch die idealisierte Verklärung von Wärme, Nähe und Geborgenheit. Doch wie haben unsere Vorfahren denn nun wirklich gelebt, die Bauern, deren Küchen wir heute so preisen; die Landbevölkerung, deren antiken Hausrat wir voller Stolz an Wänden und Decken dekoriert haben? 

Ein kleiner Rückblick in die Vergangenheit zeigt, dass die Bauernhäuser Norddeutschlands aber auch anderer europäischer Landschaften gegenüber den eigentlichen Wohnräumen unverhältnismässig große Küchen besaßen. 

Topf, Kessel, Schöpfkellen und andere Kochutensilien befanden sich direkt am Feuerplatz. Oft bildeten diese die Stirnseite einer Deele, stellten die Verbindung zwischen Stallzone und Wohntrakt her. Dieser Platz, den man Flett nannte, war Arbeits-, Koch- und Aufenthaltsraum in einem und reichte über die ganze Breite des Hauses. Auf der einen Seite befand sich die Esslucht mit dem Sitzplatz, gegenüber war der Waschplatz zu finden. Er wurde nach Möglichkeit immer in der Nähe eines Brunnens angelegt und diente auch der Körperpflege. In der Mitte war die offene Feuerstelle plaziert, die gleich mehrere Aufgaben erfüllte: Kochstelle, Wärmequelle und zumeist auch einzige Lichtquelle im Raum.

Freilichtmuseum Detmold - Kaminküche.Das Flett war in der Regel der Arbeitsplatz der weiblichen Hausbewohner. Da es nur eine Feuerstelle gab, konnte auch nur mit einem Topf gekocht werden. So aßen die Menschen damals meistens Eintopf. Eine andere Küchenvariante war die Kaminküche, ein großer abgeschlossener Raum, der zur Deele hin eine Trennwand besaß. 

Hier lag der Waschplatz in einer separaten Kammer und die Vorräte wurden in der sogenannten "Upkammer" aufbewahrt. Komfortabel konnte man diese Küchen nun wirklich nicht nennen. Sie waren ausschliesslich zweckgebunden und übernahmen im normalen Alltag die Funktion eines gemeinsamen Wohnzimmers.


Gußeiserner Herd - heute sind solche Raritäten mit modernem Innenleben sehr gefragt.Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Küche als Errungenschaft des modernen Lebens standardisiert. In den 50er Jahren kamen in Deutschland die ersten Einbauküchen in Mode und wurden fortan stetig weiterentwickelt, was Ausstattung und Technik betraf. Die Grundflächen der modernen Küchen schrumpften in den kommenden Jahren bei Neubauten auf ein Minimum, an einen Essplatz war gar nicht zu denken. Erst die Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Familie, häusliche Gemeinschaft und Miteinander gab der Küche in letzter Zeit ihren Stellenwert zurück. 

Wer selbst baut, plant großzügig einen Platz für den Esstisch mit ein. Man kombiniert Einbau- mit Einzelkomponenten und lässt sich von internationalen Unterschieden inspirieren. Ob deutscher Bauernhaus- oder englischer Cottagestil, ob ländlich französisch oder amerikanisch, ob italienisch mediterran oder im pompösen Herrenhausstil - die Landhausküche ist gefragt wie nie zuvor. Und es gibt sie in bestechend vielen Variationen für jeden Geldbeutel und der Technik des 21. Jahrhunderts.

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