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Ausgabe Mai 2000

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Jedes Dorf eine Schönheit für sich: Brantes im Vaucluse.Dabei lohnt es sich, immer wieder Halt zu machen, auch, vom Wege abzukommen. Es lassen sich sehenswerte Stationen finden. Naturschauspiele warten, dazu Städte und Dörfer voller Reiz und Erinnerungen. Gordes zum Beispiel im Vaucluse. Das schöne Bergdorf war im 17. und 18. Jahrhundert für seine Handwerkskunst berühmt. Man gerbte Leder, die Schuhmacher waren gefragt, es gab Wollwebereien. In jüngster Zeit hatte Gordes bei Freunden der Malerei einen guten Klang. Bis zu seinem Tod im Jahr 1997 stand die Burg von Gordes dem ungarischen Graphiker und Maler Victor Vasarely zur Verfügung. 

Er revanchierte sich bei der Gemeinde mit einer Dauerausstellung seiner Werke. Nicht weit von Gordes präsentiert das Village de Bories architektonische Zeitzeugen, von denen manche glauben, dass sie bis in prähistorische Epochen zurückweisen. Bories sind niedrige kuppelartige Hütten, die ohne Mörtel aus übereinander geschichteten Steinplatten errichtet wurden. Das Village de Bories bei Gordes wurde nachweislich noch im 20. Jahrhundert von Hirten bewohnt. Auch Manosque im Tal der Durance ist eine Rast wert, nicht nur wegen seiner mittelalterlichen Altstadt. Die Gründung der Grafen von Forcalquier lockt auch mit literarischer Bedeutung. Jean Giono (1895 bis 1970) stammt hier ab, mit Marcel Pagnol und dem Altmeister Frédéric Mistral einer der drei großen Poeten, die die Provence feierten. Gionos Geburtshaus steht bis heute.

Auf hohem Felsen überm Mittelmeer: ÉzeApropos Mistral. Es gibt einen Wind, der so heißt wie der Dichter. Er gehört zur Provence wie der Lavendel, die Kräuter, der Wein, die gute Küche, die Maler, das Gebirge und das Meer. Der Mistral weht aus dem Norden, kommt vom Zentralmassiv und den Cevennen her, und wenn er einfällt, sinkt schlagartig die Temperatur. Das ist angenehm im Sommer, dann kühlt er die Hitze ab, aber im Winter wird es schnell empfindlich kalt. Wer den Mistral einmal ungeschützt erleben will, der steigt am besten auf den Mont Ventoux. Auf dem mit 1909 Metern höchsten Gipfel der Provence bläst er mit vollem Ungestüm, hier oben lässt sich aber auch am besten ein Geschenk des Mistral genießen, die faszinierende Fernsicht. Von hier, vom Nordrand des Vaucluse, sieht man dann über die fruchtbare Ebene der kleinen Grau und über die Olivenhaine der Alpilles hin bis zum Mittelmeer. Der Dichter, der so heißt wie der Wind, war übrigens in Maillane am Nordrand der Alpilles, der kleinen Alpen, zu Hause. Das Haus, in dem Nobelpreisträger Frédérik Mistral wohnte und schrieb, nicht auf französisch wohlgemerkt, sondern - damals ein Skandal - in provenzalischer Mundart, ist zu besichtigen.

Aber bleiben wir noch etwas auf der Lavendelstraße, bewegen wir uns weiter nach Osten. Natürlich müssen wir unterwegs ein paar der duftenden Essenzen erstehen, zu denen Lavendel verarbeitet wird, in jener entzückenden kleinen Boutique in Valensol vielleicht. Kurz hinter dem pittoresken Bergweiler Moustier-Sainte-Marie werden wir mit einem einzigartigen Naturschauspiel belohnt, der Gorges du Verdon. Eines der faszinierendsten Naturschauspiele Europas, die Gorges du Verdon. Der große Canyon zieht sich bis vor Castellane. Die Felswände steigen hunderte von Metern hoch, zeigen ihre nackten, schroffen, bizarr gezeichneten Kalksteinschichten. Tief unten, vom Grund der Schlucht, leuchtet in kristallklarem Türkis das Wasser des Verdon. Er fließt wild, unreguliert, provenzalische Bergnatur pur. 

Faszinierend, zu erleben - man braucht nur weiter über die Seealpen zur Côte d´Azur zu reisen -, wie die landschaftlichen Pole der Provence, Berge und Meer, gar nicht so separat auftreten, wie sich vielmehr Fels und Wasser ständig nähern und mischen, hoch im Norden, in der Schlucht des blauen Verdon ebenso wie im Süden zur Küste hin. Man besuche nur so idyllische Bergdörfer - wie Tourettesur-Loup südlich der Parfümstadt Grasse, hier ist der Dunstkreis der mondänen Seebäder fast erreicht, oder Éze, 427 Meter hoch auf einem Felsen zwischen Nizza und Menton gelegen. Wie in Tourette lässt man sich von der mittelalterlichen Atmosphäre des Ortskerns einfangen, aber jetzt geht der Blick direkt hinunter aufs Mittelmeer.

  

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