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Ausgabe Mai 2000

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Gordes im Hochland von Vaucluse."Ich bin in der Stadt Aubagne geboren unter dem von Ziegen gekrönten Garlaban, zur Zeit der letzten Ziegenhirten. Der Garlaban ist ein riesiger Turm aus blauen Felsen, der sich am Rand von Plan de l´Aigle erhebt, dieser unermesslichen, felsigen Hochebene, die das grüne Huveaune-Tal beherrscht. Der Turm ist etwas breiter als hoch: aber da er in sechshundert Meter Höhe aus dem Fels ragt, steigt er sehr hoch in den Himmel der Provence, und zuweilen ruht eine weiße Juliwolke sich auf seinem Gipfel aus."

Man kann sich vorstellen, wie sehr ein Junge, der diesen Himmelsplatz erklommen hatte, den Blick übers Land genoss. Der Junge hieß Marcel Pagnol. Er wurde 1895 geboren, und als er 1974 starb, war er als Theaterdichter, Filmemacher und Romancier berühmt, und er hatte einen Sitz in der Academie Francaise. Seine frühen Stücke spielen in Marseille, im Alter erzählt er in Prosa vom mühsamen Dasein der Bergbauern in den Alpes-de-Haute-Provence. So schuf der Schriftsteller ein Panorama, von dem der Knabe auf dem Ziegenfelsen geträumt haben mag. Pagnol erfasste beide Pole seiner provenzalischen Heimat, die bizarre Bergwelt im Norden und das Hafenmilieu der Côte d´Azur.

Mit der Erinnerung an den blauen Felsenturm über Aubagne, der Vorstadt im Osten von Marseille, beginnt Marcel Pagnol die Autobiographie seiner frühen Jahre. Sie erschien 1957 unter dem Titel "Eine Kindheit in der Provence". Wer das Buch liest, bevor er reist, kommt nicht als Fremder an, wo immer er die Schönheit der Provence aufsucht. Er hat bereits das Herz, den Humor, die Intelligenz, die Lebenszugewandtheit ihrer Menschen erlebt und die Liebe zu der wunderbaren Landschaft, die diese Menschen gebar.

Im Sommer rollen endlose Lavendelfelder durch den Norden der Provence. Die Essenzen daraus ersteht man in entzückenden kleinen Boutiquen.Er kann sich getrost auf den Weg machen "zwischen Thymian, Rosmarin und Lavendel, beim Gesang der Grillen und Heimchen unter dem strahlend blauen Himmel mit den segelnden Wolken der Provence". Vielleicht lässt er sich zu einer der orgiastischsten Zeiten ins Land ziehen, im Sommer, wenn der Lavendel blüht und die Sinne mit einem Rausch von Düften und Farben betört. Scheinbar endlos rollen die violetten Felder auf der Lavendelstraße dahin, sie beginnt im Westen im Hochland von Vaucluse und geht über Valensole und Riez bis nach Moustier-Sainte-Marie, hinein in die Haute Provence.

  

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