Er ist der berühmteste
Bergsteiger aller Zeiten, Bezwinger von vierzehn
Achttausendern, ein Mann, der die Extremerfahrung sucht und sie in immer
neuen
Projekten auch
findet. Über 40 Bücher hat er über sein risikoreiches Leben schon
geschrieben, hat das Erlebte dort verarbeitet, hat u. a. die Erlebniswelt Berg für breite
Schichten populär gemacht und auch einen Teil seines Ichs preisgegeben. Getrieben von
einem gewaltigen Tatendrang wirkt er ewig rastlos, sein wacher Geist ist voller Ideen,
sein Gegenspieler ist die Zeit, die zum Verwirklichen bleibt. Zu Hause an den
unwirtlichsten Plätzen dieser Welt, braucht auch ein Grenzgänger wie
Reinhold Messner manchmal die Geborgenheit eines richtigen Heimes, einen Ort, an den er
sich zurückziehen kann, wo er sich wohl fühlt. In dem trutzigen Schloß Juval im Südtiroler
Vinschgau hat Messner seine persönliche Fluchtburg gefunden.
ekanntheit ist nicht
immer von Vorteil. Diese Erfahrung mußte auch Reinhold Messner machen,
dem neugierige Touristen viel zu oft vor seinem Haus im Bergdörfchen Villnöß auflauerten. Das machte ihn
unzufrieden und scheu. Er fühlte sich beobachtet, verfolgt und eingeengt. Aus dieser
Situation heraus entstand der Gedanke an eine Fluchtburg, hoch oben am Berg,
hinter Mauern geschützt und verschanzt. Der
Traum wurde immer konkreter, die Suche nach einer Ruine oder Halbruine begann.
Mehr ließen die finanziellen Mittel des Südtirolers Anfang der 80er Jahre nicht zu.
Außerdem entsprach es seinem Naturell, sich sein Domizil selbst herzurichten, sie
aktiv zu gestalten. Es vergingen viele Monate, bis der Südtiroler im westlichen
Teil seiner Heimat, dem Vinschgau, endlich fündig wurde. Die erste Begegnung mit der
Halbruine Schloß Juval war für Messner Liebe auf den ersten Blick. In seiner
Phantasie hatte er seine Fluchtburg so immer vor sich gesehen. Aus dem Felsen wächst sie
heraus, über der Landschaft des Vinschgaus und der Enge der Schlucht am Beginn des
Schnalstals. Kühn, spröde und sicher stehen ihre Mauern. Ein Ort der Ruhe und der
Harmonie. Juval wurde Messners Burg - für eine lange Zeit. Dort konnte er endlich von
der Öffentlichkeit weitgehend befreit das tun, was ihn bewegte: Sammeln und
gestalten.
Bei näherer Inspektion stellte sich
heraus, daß es in der gesamten Burganlage keinen einzigen bewohnbaren Raum mehr
gab. Trotzdem ließ sich Messner von seinem Vorhaben, auf Juval zu wohnen, nicht
abbringen. Ein Jahr verstrich, die Burg blieb, wie sie war. Erst nachdem er sich
innerlich Klarheit verschafft hatte, wie Juval einmal werden sollte, wie er dort
leben konnte, begann die Sanierung im Jahr 1984. Sie erfolgte im besten
Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt und mit Hilfe tüchtiger Handwerker aus der
Umgebung. Von Anfang an stand fest, daß der populäre Bergsteiger nur während der
Sommermonate auf dem Schloß leben wollte, weil es keine Zentralheizung gab.
Die hätte man zwar einbauen können, dafür hätten jedoch die historischen
Wandfresken zerstört werden müssen - und das wollte Messner nicht. Lediglich
ein kleines Gesindehaus wurde winterfest gemacht. Für alle Fälle.
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